Liebe Leser*innen,

nun sind Sie hoffentlich überrascht. Hätten Sie gedacht, dass diese Geschichte um Markus so endet? Wenn Sie möchten, teilen Sie Ihre Meinung mit mir. Auf meiner Homepage www.marcorauch.de oder auch hier im Gästebuch können Sie all ihre Gedanken und Gefühle niederschreiben.

Sollten Sie das Buch noch nicht gelesen haben, empfehle ich, es zu tun, bevor Sie weiterlesen.

Wie schreibt man ein Buch?

Nun aber zur Kernfrage: Wie schreibt man ein Buch? Ich hatte eine Idee. Ein Heiler. Diese Idee geisterte schon sehr lange durch meinen Kopf, jahrelang. Ich wusste nicht viel mehr, als dass es ein Heiler sein soll. Er würde wandern, von Ort zu Ort ziehen und sich nie lange aufhalten. Also fing ich eines samstagmittags im Januar 2020, um genau zu sein am 18.1.2020, an zu schreiben.

Es war Anfang September 2019, abends im Sonnenuntergang. Markus saß in der geöffneten Seitentür seines
klapprigen roten Ford Transit. Er hatte ihn auf einem Parkplatz am Meilwald in einiger Entfernung zu den Uni-Kliniken abgestellt.

Der Meilwald ist übrigens ein Waldgebiet am Erlanger Stadtteil Sieglitzhof, ganz im Nordosten. Ungefähr an dieser Stelle begannen sich meine Gedanken das erste Mal wirklich mit der Idee auseinanderzusetzen. Denn auf einmal wurde mir klar: Ich tue es wirklich. Ich schreibe. Ich habe den ersten Schritt getan. Etwas, für das ich nie die Zeit hatte.

Und jetzt?

Fragen gingen mir durch den Kopf. Er braucht Sprit (oder läuft er?), Nahrung, muss seine Kleidung reinigen. Wie macht er das? Ist er Sozialhilfeempfänger? Bekommt er Spenden? Langsam wurde mir klar, dass dieser wandernde Heiler nicht das ist, was ich schreiben möchte. Er brauchte ein Leben, einen Job, eine Herkunft. Er sollte integriert sein und sich nicht abseits der Gesellschaft bewegen. Das führte mich zu einer anderen Frage: Was wäre, wenn es alle wüssten? Würden sich nicht alle auf ihn stürzen, ihn umringen und um Hilfe anflehen, weil ein jeder sein Leid als das schlimmste ansähe? Wie würde er damit zurechtkommen? Wie würde die Story verlaufen? Was könnte ich dann für Wendungen und Ereignisse schreiben? Und wie könnte ich Daniela einführen?

Fragen über Fragen

All diese Gedanken waren unglaublich wichtig, sie führten mich nach und nach zu einem der wichtigsten Punkte: Was hat Markus für einen Charakter? Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nichts über ihn, außer dass er heilen kann. Ich wusste noch nicht mal, wie er es macht. Also war zunächst klar: Er musste stationär sein. Ich verwarf den Gedanken, ihn wandern zu lassen, und gab ihm eine Wohnung in Sieglitzhof. Markus liebt die Freiheit, das war mir sofort klar. Außerdem ist er tier- und kinderlieb. Er hat in jungen Jahren seine Mutter fast verloren, und dieses Ereignis muss etwas in ihm ausgelöst haben.

Auch wenn es nur unterbewusst war, aber diese besondere Beziehung zu Kindern und die Liebe, die er in sich spürt, zusammen mit dem starken Bedürfnis zu helfen, bildeten sein Grundgerüst. Er sollte aber auch in gewisser Weise gleichfalls ein Träumer wie auch rational sein. Er sollte die Welt, wie sie ist, ruhig so wahrnehmen, ohne dabei seine Ideale zu verraten. Also musste er es heimlich machen. Das waren bereits wichtige Erkenntnisse für den Fortgang der Geschichte. Durch solche Überlegungen setzte ich mir Grenzen, innerhalb derer ich mich bewegen konnte. Das Universitätsklinikum Erlangen bot dafür einen guten Rahmen. Den Fahrdienst gibt es wirklich, ebenso wie die Kinderklinik. Zwar sind einige Teile davon frei erfunden, wie zum Beispiel die Personen, die Kinder oder der halbrunde, groß angelegt Tresen. Aber das machte nichts. Es gab mir den nötigen Rahmen für die Handlung.

Als Nächstes musste ich mir überlegen, wie er überhaupt zu dieser Gabe gekommen ist und wo ich das platziere. Bei all den Überlegungen durfte ich die wichtigen Dinge des Aufbaus nicht außer acht lassen: Wann erzähle ich was? Ich entschied mich spontan, dass er sich erinnert. Und damit war der Rückblick geboren. Und mit dieser Überlegung stand auf einmal ein Grundgerüst.

Eine Erzählung mit Rückblicken

In den vielen Schreibratgebern im Internet lese ich manchmal, es wäre besser, sich alles vorher zu überlegen. Doch das ist nicht in Stein gemeißelt. Die Frage ist immer: Was ist das Motiv? Was will ich machen? Und was liegt mir mehr? Es gibt Autoren, die planen und solche, die aus dem Bauch schreiben. Ich wollte es einfach tun, aus dem Bauch heraus. Ich wollte meine Geschichte aufschreiben und sehen, wohin es mich führt. Es war eine Abenteuerreise. Und noch dazu hatte ich sehr viel Spaß dabei, mir all diese Dinge einfallen zu lassen. Die Charaktere, den Verlauf der Handlung, die Rückblicke. Hätte ich mir all das vorher überlegt und notiert, wäre die Geschichte mit Sicherheit eine andere geworden. Und ich hätte nicht all die Erfahrungen gemacht, die ich im Laufe des Schreibens, der Überarbeitung und der vielen Gedanken zur Geschichte gemacht habe.

Ich hatte Mitte Januar zum Glück einige Wochen frei, so konnte ich mich voll auf das Projekt konzentrieren. Und das war auch notwendig: Mein letzter Gedanke vor dem Schlafen war die Geschichte. Mein erster Gedanke nach dem Aufwachen ebenfalls. Was muss ich noch schreiben? Wo stehe ich gerade? Was habe ich vergessen? Wo ist ein Logikfehler? Was habe ich übersehen? Wie beschreibe ich diese oder jene Szene. Ich lebte nur noch für die Geschichte. Ganz genau 3 Wochen hat es gedauert, dann war der erste Entwurf, der Rohdiamant fertig.

Aber zunächst weiter im Text

Also schrieb ich die Szene, wie Markus zu seiner Gabe kommt. Zumindest den Anfang davon. Als die Zahlen und Wellen plötzlich nicht mehr da waren, wusste ich, hier muss ich unterbrechen. Ich wusste es einfach. Ohne nachzudenken beendete ich die Szene und kam zurück ins Jahr 2019 und den Sonnenuntergang. Dann wurde mir klar: Er ist müde, die Woche war hart und er geht jetzt schlafen. Aber er ist in gewisser Weise ein Träumer, deswegen hängen an der Decke des Wagens kleine fluoreszierende Sterne, wie sie in machen Kinderzimmern an der Decke kleben. Damit habe ich ihm ein wenig Charakter gegeben und klargemacht, dass er trotz seines Alters noch immer etwas Kindliches an sich hat. Dazu passend fand ich auch die Angst vor Entdeckung.

Es ist gleichermaßen ein rationaler wie auch kindlicher Anteil, der sich da zeigt. Was würde passieren, wenn in den Nachrichten auf einmal eine Meldung käme, dass es jemanden gäbe, der die Menschen heilen könne? Was würde passieren? Diese Frage war wirklich wichtig und mir war sehr schnell klar, dass es einige mächtige Menschen in unserer realen Welt gibt, die Mittel und Möglichkeiten haben, um so jemanden entweder für sich zu gewinnen oder ihn dazu zu zwingen. Und Markus musste einfach so rational sein, um sich dessen bewusst zu sein.

Also war es entschieden

Nun stand die nächste Frage im Raum, nachdem er schlafen gegangen war: Wie geht es weiter? An dieser Stelle kommt eine Szene, die zeitlich im Ablauf nicht passt. Sie hätte eigentlich als Erstes kommen müssen, aber ich fand es bei all den Überlegungen passend, sie nicht zuerst zu zeigen. Selbst wenn ich den Drachenkopf weggelassen hätte; mir war bereits an diesem Punkt klar, dass Markus Albträume haben musste. Er war, soweit er zu diesem Zeitpunkt in meinem Kopf schon charakterlich entwickelt war, einfach dafür prädestiniert. Die Heilungen entsprachen genau seinem Wesen, aber wie würde er mit den Roten umgehen? Es würde ihn halb wahnsinnig machen, weil er einfach so ist. Das wusste ich auf einmal. Und damit war der Konflikt geboren, der ganz wesentlich für die Handlung ist. Die nächste Überlegung war dann: Alleine schafft er das nicht. Er braucht jemanden, der ihm zur Seite steht. Jemand, der ihn stützt und Bescheid weiß. Aber wer? Ich schrieb den Anfang vom Sonntag, und plötzlich wusste ich, wer es ist.

Daniela war geboren

Es musste einfach so sein: Es ist unmöglich, nie erwischt zu werden. Es ist ohnehin schon ein Wunder, dass er all die Jahre nie dabei ertappt wurde, wie er so nahe an den Kindern steht. Aber einmal musste es passieren, und mir war sofort klar, dass es eine Mutter sein musste. Und mir war klar, dass sie Freunde werden würden. Ganz besondere Freunde. Während ich weiterschrieb, überlegte ich mir, wie eine Mutter wohl reagieren würde, wenn sie erführe, was er für sie getan hat. Da gab es unterschiedliche Möglichkeiten, immerhin sind die Menschen sehr unterschiedlich. Aber ich brauchte jemanden, der Markus zur Seite steht, also wählte ich einen Charakter, der ihm in gewisser Weise ähnlich ist. Einfühlsam, weich und gleichzeitig stark. Eine Löwin.

Die Unterschiede sind dennoch deutlich: Markus ist eher rational und deswegen etwas ängstlich, auch wenn er Anteile eines Träumers hat. Grundsätzlich ist er aber ungeduldig, auch wenn er bei den Kindern eine Engelsgeduld aufbringen kann und mit den Patienten ebenso. Daniela hingegen hat ein Kind, ist beruflich aufgestiegen und verantwortungsbewusst. Sie kann die Dinge besser nehmen, wie sie sind, das zeigte sie auch, als Kai sie verließ. Markus ist da eher ein Träumer, er will nicht wahrhaben, dass rot nun mal rot bedeutet und er nicht allen helfen kann. Das sind die Gegensätzlichkeiten, die beide zu einem guten Paar machen.

Und dann?

Nachdem ich dieses Grundgerüst hatte, schrieb sich der Rest fast von alleine, im Nachhinein betrachtet. Natürlich stimmt das nicht ganz. Ich habe oben schon erwähnt, dass ich 3 Wochen lang eigentlich jeden Tag nur die Geschichte im Kopf hatte. Und so führte mich eines zum anderen. Ich beschrieb, was Markus arbeitet, ich erdachte mir Frau Röders und Herrn Lederer, die eine gewisse Beständigkeit in seinen Alltag bringen, und viele Dinge mehr. Und irgendwann war mir klar, wie die Geschichte ausgeht. Auch das war ein ganz entscheidender Punkt: nun konnte ich darauf zuarbeiten. Und im Nachhinein, bei den vielen Überarbeitungsschritten, musste ich nur eine Szene verschieben (Logikfehler). Der Rest steht in genau der Reihenfolge da, wie ich ihn geschrieben habe.

All diese Dinge, über die ich bis hier geschrieben habe, waren wichtig, um mir selbst einen Rahmen abzustecken. Es war klar, dass Markus arbeitet, so entstand Benny. Anne, Iris und die Kinder kamen nach und nach und auch die Rückblicke entstanden beim Schreiben. Und natürlich war die ganze Zeit auch der Gedanke: Wie endet das alles? Und nun bin ich wieder am Anfang dieses Making-of: Hätten Sie gedacht, dass es so endet? Aber halt: Noch ist nichts zu Ende. Das war der erste Teil. Viele Fragen sind noch offen. Darunter auch: Was ist da eigentlich in der Stroke Unit passiert, woher kommt diese Gabe und was ist sie?

Es bleibt spannend und ich bedanke mich herzlich, dass Sie bis hier gelesen haben. Ich hoffe, die Geschichte hat Ihnen gefallen, und Sie freuen sich schon auf den zweiten Teil.

Besuchen Sie mich im Internet unter www.marcorauch.de oder hier im Gästebuch und teilen Sie ihre Meinung mit mir.

Übrigens ***

Haben Sie die drei Sternchen entdeckt, am frühen Mittwochmorgen? Die Stelle bedeutet mir sehr viel. Sie markiert auf der einen Seite (in etwa) die Mitte der Geschichte. Auf der anderen Seite aber, und das ist für mich noch viel wichtiger, bedeutet sie das Ende der Einführung von Daniela und Elli. Ab diesem Moment geschieht eine (langsame) Wende. Zwar kommen noch einige Szenen mit Daniela und Elli, aber ab diesem Zeitpunkt dreht sich die Geschichte und legt den Fokus langsam auf Samstag. Für mich war es jedes Mal ein sehr emotionaler Moment, wenn ich bei der Überarbeitung an diese Stelle angelangte. Denn ich wusste, nach Ellis Entlassung aus der Klinik endet ein Kapitel, das mich beim Schreiben sehr bewegt hat.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und passen Sie auf sich auf.

Marco A. Rauch

Februar 2021

Strichmännchen, das in eine Grube zu fallen droht. Aus der Geschichte um Markus: hinter deiner Wirklichkeit.
Wer anderen eine Grube gräbt, der hat viel Dreck.

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